Erdogan fordert, dass Deutschland Terroristen bekämpft: Merkel will ihn dennoch weiter unterstützen

Die Bundesregierung bezeichnete die neueste Verhaftungswelle unter türkischen Journalisten als “in höchstem Maße alarmierend”. Dies löste bei Präsident Erdogan die gewohnte wütende Empörung aus. Der als Streiter für die Pressefreiheit bekannte Staatsmann forderte Deutschland auf, diese Terroristen gemeinsam mit der Türkei zu bekämpfen.

Grund für den Konflikt scheint die unterschiedliche Auffassung zwischen Ankara und Berlin darüber zu sein, wer genau als Terrorist zu bezeichnen ist. Nach türkischer Auffassung sind Personen, die im Besitz einer Tageszeitung, einer Brille oder einer Meinung sind, höchst verdächtig.

In einer ersten Einlassung zu dem Thema hatte Regierungssprecher Seibert lediglich verlauten lassen, man sei bezüglich der Entwicklungen “besorgt”. Daraufhin gab es aus der Türkei allerdings keine nennenswerte Reaktion. Der Bundesregierung war offensichtlich sofort klar, dass Kritik, die sogar bei Berufs-Choleriker Erdogan keine Reaktion hervorruft, keine ist.

Ein inhaftierter türkischer Journalist begrüßte daher auch die verschärfte Formulierung der Bundesregierung. Der Mann, der inhaftiert worden war, weil er die Fotografie eines Erdogan-Cousins dritten Grades verächtlich angesehen hatte, äußerte sich über seinen Anwalt wie folgt: “Mit der uneingeschränkten Solidarität der Bundesregierung ist eine türkische Gefängniszelle gleich viel gemütlicher. Die schimmeligen Wände strahlen dann plötzlich so eine angenehme Wärme ab.”

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