Bahn empört: Schaffner verkauft gefälschte Fahrkarten, zeigt Schwarzfahrer danach aber nicht an

Vor wenigen Tagen wurde ein Schaffner zu einem Jahr und neun Monaten Haft verurteilt, weil er falsche Bahntickets auf eigene Rechnung verkauft hatte. Die Strafe wurde nicht zur Bewährung ausgesetzt, da der Mann bereits vorbestraft war. Vor zwei Jahren hatte er bereits in betrügerischer Weise Backpulver als Kokain verkauft, wofür das Gericht damals überhaupt kein Verständnis hatte.

Wie jetzt aus der Urteilsbegründung hervor geht, zog der Mann sich den Zorn seines Arbeitgebers aber nicht zu, weil er sein Einkommen um 22.000€ aufbesserte. Dafür, dass ein Schaffner auf kreative Weise Nebeneinkünfte generiert, hat man bei der Bahn durchaus Verständnis. „Den Kunden erst falsche Fahrkarten zu verkaufen, aber dann die Gelegenheit verstreichen zu lassen, ihnen anschließend das erhöhte Beförderungsentgelt für Schwarzfahren in Rechnung zu stellen, ist ein unentschuldbares Versäumnis.“, sagte eine Sprecherin der Bahn in Berlin.

Der Zorn der Bahn speist sich auch daraus, dass mit den Schaffnern explizit trainiert wird, dieses Entgelt bei ähnlich  günstigen Gelegenheiten zu kassieren.
Falls ein Kunde sich beispielsweise beim Besteigen eines Zuges erkundigt, ob dies der ICE nach München ist, sind die Schaffner aufgefordert, dies unabhängig vom Wahrheitsgehalt zu bestätigen. Wenn der Kunde daraufhin in den falschen Zug gestiegen ist, erfolgt sofort danach die Anzeige wegen Schwarzfahrens, da das Ticket nicht passt.

Ein anderes Beispiel aus dem Training ist, den Kunden vorzumachen, der Fahrkartenautomat sei defekt. Im Anschluss daran können dann auch diese Kunden abkassiert werden. Der letzte Fall ist allerdings eher theoretisch, da er voraussetzt, dass ein Fahrkartenautomat tatsächlich funktioniert, was zuletzt 2009 beobachtet wurde.