Nahe Willy-Brandt-Haus: zehntausende Zettel mit „Danke“-Aufdruck verstopfen Kanalisation

Berlin – Kopfschüttelnd steht Kanalarbeiter Wolfgang Weigel vor einer gelben Mauer. Statt Steinen besteht jene Mauer aus Papier, genauer: aus zehntausenden kleinen gelben Zetteln. Vom eigenen Druck und dem des Wassers so kompakt gepresst, dass für das Abwasser kein Durchkommen mehr ist.
„Das stinkt gewaltig“, sagt Weigel, und damit meint er nicht die sich hinter der Mauer stauende Brühe.

„Begonnen hat das Ganze Sonntagabend letzte Woche. Zuerst haben Kollegen von vereinzelten Zetteln erzählt, dann, in der Nacht auf Montag, haben wir den ersten Haufen gefunden. Da links, den Kanal hinunter.“ Er zeigt in die Dunkelheit. Zum Montagmorgen hin hätte sich die Situation weiter verschlechtert. An der Ecke Wilhelmstraße und Stresemannstraße sei man dann dem massiven „Danke-Batzen“ begegnet. Woher die Zettel stammen, bleibt dagegen weiterhin unklar.
„Zuerst gingen wir davon aus, dass sich jemand für unsere Arbeit bedanken will. Schließlich stehen wir hier täglich acht Stunden mitten im Dreck, aber dann kamen die ersten Zettel mit Beleidigungen. Das war so gegen vier Uhr in der Früh.“

Weigel kramt in seiner Tasche, hält einige Exemplare in das Licht der Taschenlampe. Neben dem groß aufgedruckten „DANKE“ hat jemand: „Für nichts, ihr Asis“ geschrieben. Auf einem anderen Zettel ist das „DANKE“ mit allerhand gehängten Figuren und Totenköpfen bekritzelt. Darunter steht: „In die Fresse!“
Auf einem dritten hat sich jemand die Mühe gemacht, leicht alkoholisierte Wörter aus den Buchstaben in „DANKE“ zu kreieren. „Du Asch Nich Kanschd äEh wählen.“
Für den Abtransport der Zettel muss nun eine Spezialfirma anrücken. „Bis dahin“, so Weigel, „wird sich aber noch einiges an Scheiße anstauen.“